Mittwoch, 7. September 2016

Tag 7-8: Stamsund-Unstad

Wie geplant liefen wir Montag in der Früh los, um die nächste Etappe in Angriff zu nehmen. Schnell stellte sich aber heraus, dass aus einer weiteren mehrtägigen Wanderung nichts mehr werden konnte. Manchmal spielen einfach die Füsse nicht mit.
Wir machten auf dem Absatz kehrt und liefen zurück nach Leknes, um bereits hier ein Auto zu mieten, was wir erst für nächste Woche geplant hatten.
Unterwegs jedoch trafen wir am Strassenrand auf eine nette ältere Dame, die uns fragte, ob wir ihr beim Absägen von Ästen und Bäumen helfen konnten. Selbstberständlich konnten wir. Wir verbrachten den Rest des Morgens in ihrem Garten, beschäftigt mit Säge und Ohren, denn sie hatte viel zu erzählen.
Zum Dank gab sie uns Waffeln und selber gemachte Preiselbeermarmelade mit.
Kurz darauf waren wir stolze Mieter eines neuen Opel Corsa, den wir auf den Namen Bill tauften.
Mit diesem ging es schnurstracks zum wohl schönsten Strandgebiet der Lofoten: Zu den Stränden von Uttakleiv und Haukland. Dort liefen wir im Flachen von einem zum anderen.
Auf der Suche nach einem Schlafplatz (mit Auto wesentlich schwieriger als zu Fuss) durchfuhren wir Stamsund, eine weitere nicht sehenswerte Stadt und fanden schliesslich einen schönen Camping mit See. Dort blieben wir eine Nacht, die jedoch schon bald durch Regen gestört wurde. Der Regen weitete sich durch den Tag, den wir im tollen Wikingermuseum in Borg verbrachten, zum Sturm aus. Wir beschlossen daher, uns eine Unterkunft für die kommenden Nächte zu besorgen, da das Zelt bei solchen Windstärken nicht bestehen kann. Dennoch fuhren wir durch mehrere einspurig geführte Tunnels nach Unstad um den berühmten Surfspot der Lofoten zu begutachten. Ergebnis: Stürmisch.
Kurz darauf fuhren wir bereits wieder zurück in unsere Unterkunft.













Sonntag, 4. September 2016

Tag 5-6, Markvatnet - Ballstad

Am Markvatnet, einem Wasserresevoir der Region wachten wir auf und machten uns auf den Weg nach Fredvang wo wir sowohl Camping, als auch Vorratsnachschub beziehen wollten. Da Samstag war und wir nicht wussten, wie die Öffnungszeiten der Läden hier sind, wollten wir bereits am frühen Nachmittag dort eintreffen. Diese Ziel erreichten wir auch ihne Probleme, aber Einkaufsmöglichkeiten gab es hier keine und der Camping hatte bereits seine Winterpause begonnen. Daher besichtigten wir erst mal die schöne Umgebung von Sandbotnen und suchten später die Bushaltestelle auf. Dort stellte sich heraus, dass der Bus nur 4 km entfernt anhält. Eine freundliche Einheimische nahm uns bis dorthin mit. Das neue Ziel des Tages war unterdessen Ballstad geworden, da wir kurzfristig hier ein Zimmer für zwei Nächte mieten konnten. An der Bushaltestelle fand sich auch der bisher grösste Laden auf den Lofoten, der uns  bis dahin begegnet war. Später sollte sich herausstellen, dass wir den Fahrplan des Busses falsch gedeutet haben und der Bus erst um sieben Uhr abends fahren würde. Da war es gerade mal Viertel vor Drei. Wir versuchten uns also im Reisen per Anhalter. Sämtlich Autos mit norwegischen Nummernschildern fuhren einfach durch, sämtliche mit deutschen Kennzeichen hielten jedoch an. Bei einem, nach ungefähr 20 Minuten passte sogar das Reiseziel und so konnten wir bis nach Leknes mitfahren. Leknes ist ein grösseres Dorf auf Vestvagøya. Im Moment findet dirt das Country Festival statt. Dieses gleicht einem Jahrmarkt bei uns. Es hatte ungefähr 10 Stände, ein Festzelt und einige Attraktionen. Das Stand-Essen war aber tatsächlich sehr gut. Dieses Fest ist eines der grössten und etwas ganz besonderes auf den Lofoten!
Von dort aus fuhren wir mit dem Bus weiter nach Ballstad, wo wir unser Zimmer in der Villa Ballstad mit Balkon und Meerblick bezogen. Aus dem leckeren Abendessen im Restaurant wurde leider nichts, da auch diese bereits Winterferien haben wollen. Uns blieb nichts anderes übrig als am Sonntag wieder nach Leknes zu fahren und dort auszunutzen, dass mindestens ein Laden auch sonntags geöffnet ist und dann selber zu kochen.
Am Montag geht's dann weiter quer über die Insel in Richtung der nächsten, Austvagøya. Zuvir jedoch stürzten wir uns in die eisigen Fluten des Atlantiks, direkt vor unserer Haustüre und liessen uns in der Sauna die Kälte wieder austreiben.














Tag 4, Horseidvika - Markvatnet

Es ist schon etwas Schönes am Morgen das Zelt zu öffnen und auf die wohl imposantesten Felswände der Lofoten zu blicken. Der Wind hatte sich über Nacht gelegt und sogar die stets dicke Wolkenschicht hatte sich soweit gelockert, dass einige wenige Fetzen blauen Himmels zu sehen waren. Das Ziel an diesem Tag waren zwei Pässe mit über 400 Meter Höhe (bedenke: Wir beginnen immer beinahe auf 0 m. ü. M.). Der Weg führte uns sofort steil an eine Felswand, auf der gegenüberliegenden Talseite.
Man sollte vielleicht hier den Grund für das viele Grün auf den Bildern erwähnen. Auf den Lofoten ist alles nass! Man watet meist knöcheltief im Morast, wenn man über eine Wiese geht, oder schlimmer, wenn man einen Wanderweg entlang läuft. Hier fliesst ständig irgendwo Wasser ab und sammelt sich in kleineren, provisorischen Seen in Mitten eines Feldes. Die weiche Vegetation am Boden macht diesen Umstand nicht wirklich angenehmer. Wanderwege gleichen Bächen, Wiesen gleichen Sümpfen und mitten drin stehen wir...
Gut, wir begaben uns also die erste steile Wand hinauf. Nach gut einer Stunde, waren wir oben und trotz starkem Wind klappte uns die Kinnlade ganz weit auf. Auf den Lofoten kann man um irgendeine Ecke blicken und denken: Wow, wie schón ist das denn? Wenn man aber um die nächste schaut, verblasst das zuvor gesehene sofort wieder, denn es wird immer schöner, schroffer, wilder.
Gut, oben auf dem ersten Pass gab's eine kurze Verschaufpauseund gleich ging's weiter, der Bergflanke entlang zum nächsten Pass, mit dem selben Mund-auf-Effekt. Der Weg hinunter ins nächste Tal war noch stärker von Wasser geprägt und sogar unten im Tal war kaum eine trockene Stelle zu finden. Selbstverständlich waren unsere Schuhe schon seit dem ersten Tag nass, spätestens hier aber, waren sie durchweicht. Die Wiese erwies sich als heimtückisch, weil man tiefere Löcher nicht gut von normaler, begehbarer Vegetation unterscheiden konnte. Aber alles war unter Wasser, einzige Ausnahme: Grosse Felsen. Das Wetter selber zeigte sich immer gnädiger, sogar die Sonne war unterdessen aus ihrem Versteck gekrochen. Das eigentliche Ziel des Tages war der Doppelstrand Kvalvika. Da uns die Pässe aber doch ziemlich erschöpft hatten, beschlossen wir, bereits am Markvatnet unser Zelt aufzuschlagen und von dort aus am nächstenTag weiter zu laufen. Weil das Wetter für einmal nicht ganz regnerisch war, versuchten wir im Verlauf des Abends mit mässigem Erfolg unsere Kleider zu trocknen (siehe Foto).













Samstag, 3. September 2016

Tag 3, Moskenes - Horseidvika

"Hey, wir sind auf den Lofoten!"
Der erste Gedanke am nächsten Morgen war zugleich der beste Grund aufzustehen. Es erwarteten uns einige weitere, leicht feuchte Stunden entlang der LoFast-Strasse (auf Moskenesøy, dieser Insel) in Richtung Reine. Diese Strasse ist in dieser Gegend zugleich der einzige Weg um vorwärtszukommen, wenn man keine Kletterausrüstung bei sich hat. Die Berge auf Moskenesøy gehören zu den steilsten und massivsten der Lofoten, was man auch deutlich zu sehen und spüren bekommt. Für uns, mit so viel Gepäck waren sie vorerst unüberwindbar.
In Reine, einem malerischen Fischerdörfchen, das jedoch seinem guten Ruf nicht ganz gerecht wird, stockten wir unsere Vorräte auf und nahmen die Fähre den Kjerkfjord hinab um über unseren ersten Pass zum Horseidvika (Horseidstrand) zu wandern.
Der orkanartige Wind trieb uns schliesslich dazu, unser Zelt im Inneren des Tals und nicht wie geplant in der Nähe vom Strand aufzuschlagen. Weil der Wind so stark war, waren wir gezwungen, als zusätzliche Befestigungsmassnahmen Steine aus einem nahen Geröllfeld herbeizuziehen. Das Zelt ist als kleiner grüner Punkt auf dem letzten Bild unten links zu sehen.











Mittwoch, 31. August 2016

Tag 1-2, Bodø - Moskenes

Wolkig mit der Aussicht auf Fleischbällchen, denkste! Schön wär's, hier haut's alles runter, was eine Wolke bieten kann.
Nach unserer Ankunft am Dienstag Abend wurden wir ganz schlimm getäuscht, weil Nordnorwegen uns Zähmbarkeit und sogar einen Sinn für Romantik vorgauckelte. Eventuell erhielten wir sogar einen kleinen Vorgeschmack auf die Nordlichter, die hier bald wieder zu sehen sind. Die paar Norweger, die wir trafen erzählten aber alle die selbe Geschichte, vom Regen der bald kommen würde.
Am folgenden Morgen wurden wir unsanft von Windböen und Regen geweckt. Die Wiese um's Zelt herum stand unter Wasser und der Plan auszuschlafen war schnell vergessen.
Das triefend nasse Zelt verpackten wir und versuchen bis jetzt nicht daran zu denken, dass wir erneut darin schlafen werden.
Den Tag verbrachten wir zur Beschaffung von Essen, Material und Reisemöglichkeit in Bodø und setzen nun gegen Abend mit der Fähre (Marke Schaukelstuhl) die paar Meilen über. Kurz war während der Überfahrt die Sonne zu sehen, je weiter wir uns den Lofoten aber nähern, umso stärker wird der Regen. Freude herrscht...
Nun ja, nach der stürmischen Überfahrt, die beide ohne Seekrankheit überstanden, waren wir also am Fusse der Berge in Mitten des Atlantiks angekommen. Wir machten uns sofort auf die Suche nach einem Schlafplatz für die Nacht und wurden schnell oberhalb des Meeresufers fündig. Hier durften wir Zelten, da das norwegische Allemannsretten, das Gesetz ist, besagt, dass jeder zelten darf wo er will, solange es nicht explizit verboten ist. Schnell lernten wir die weiche Bodenvegetation Norwegens zu schätzen (später auch im Gegenteil).